Bildungspreis

Der Arbeitgeberpreis für Bildung 2016 zeichnet Bildungskonzepte aus, mit denen Integration nachhaltig unterstützt und Vielfalt gefördert wird. Partner sind 2016 die Deutsche Bahn AG und die Deutsche Telekom AG.

Durch die steigende internationale Mobilität und die Aufnahme von Flüchtlingen wird Deutschland vielfältiger. Für unsere Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeutet dies Herausforderung und Chance zugleich.

Damit Integration gelingt, brauchen wir innovative Bildungskonzepte. Mit dem Arbeitgeberpreis für Bildung 2016 werden daher beispielhafte Bildungskonzepte ausgezeichnet, mit denen von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschule Integration nachhaltig unterstützt, Talent entfaltet und Vielfalt gefördert wird.

Gesucht wurden Best-Practice-Beispiele von Kitas, Schulen, Berufsschulen und Hochschulen, die die individuelle, breite Förderung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Mittelpunkt stellen und dabei gezielt die Integration fördern und den Zusammenhalt stärken.

Stiftung Ev. Jugendhilfe St. Johannis Bernburg, Sachsen-Anhalt

Die Stiftung unterstützt mit der Fachstelle „Integration und Migration“ 22 Kindergärten und Horte. Das Aufgabenspektrum reicht von der interkulturellen Sensibilisierung der Erzieherinnen und Erzieher bis zur Beratung der Eltern und zur Bereitstellung von Hintergrundinformationen zu Asyl, Flucht, Traumatisierung, Religionsvielfalt und Sprachförderung. Dies kommt den 2.800 Kindern zugute, die aktuell in den Einrichtungen spielen und lernen. Die Kinder nutzen kultursensibles Spiel- und Lernmaterial. Für die Familien stehen mehrsprachige Informationsbroschüren zur Verfügung.

Die Eltern mit und ohne Migrationshintergrund werden in die Arbeit eingebunden, u. a. auch durch ein interkulturelles Elterncafé. Für das eigene pädagogische Personal bietet der Träger ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm an – auch die Vertiefung der Englischkenntnisse gehört dazu. Der Einsatz von Dolmetschern wird durch einen „Eltern-Dolmetscher-Pool“ ermöglicht und bei Bedarf werden Eltern bei Behördengängen durch „Elternpatenschaften“ unterstützt.

Westerwaldschule Waldernbach, Hessen

An der Westerwaldschule lernen aktuell über 450 Schülerinnen und Schüler, ca. ein Drittel hat einen Migrationshintergrund, über 20 Kinder sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Die Schule setzt darauf, Flüchtlingskinder nicht nur in Integrationsklassen zum schnellen Spracherwerb zu führen, sondern sie von Anfang an in eine Regelklasse zu integrieren. Für jedes Kind werden Diagnostik, regelmäßige Entwicklungsgespräche, Förderpläne und Zielvereinbarungen vorgehalten.

Die Eltern sind nachhaltig einbezogen und spielen im Integrationskonzept eine wichtige Rolle. Die Ganztagsschule macht vielfältige Angebote am Nachmittag, die allen offenstehen. Schulfeste nehmen die Herkunftsländer der Flüchtlinge in den Blick. Die Lehrkräfte bilden sich regelmäßig fort. Schülerinnen und Schüler haben die Chance, für besonderes soziales Engagement ein Sozialzertifikat zu erlangen – dieses Jahr wurden auch vier Flüchtlingskinder für ihren Einsatz ausgezeichnet.

Die Berufsorientierung beginnt ab Klasse 5 und erfasst alle Fächer und Jahrgänge. Die schulinterne Berufsmesse und die Praxisnähe sind durch ein enges Netzwerk der Schule mit Patenfirmen möglich; die Westerwaldschule hat dafür das Berufswahl-SIEGEL erhalten.

Berufliche Schulen Altötting, Bayern

An den Beruflichen Schulen Altötting lernen aktuell knapp 2.800 Schülerinnen und Schüler, 11 % von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Für die Integration von aktuell 250 Flüchtlingen haben die Beruflichen Schulen Altötting ein besonders systematisches Konzept etabliert, das einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgt. Ziel sind die Berufsorientierung und die erfolgreiche Einmündung in Ausbildung oder Beschäftigung.

Das didaktische Konzept des Kompetenzrasters ermöglicht eine individuelle Förderung und stellt durch Ist-Analysen die Transparenz der Lernfortschritte für Lernende, Lehrende und Betriebe her. Die Anlehnung an Konzepte systematischer Personalentwicklung in Unternehmen ist deutlich erkennbar.

Darüber hinaus geht bei der Integration auch der erzieherische Aspekt nicht verloren, so wird u. a. ein starker Fokus auf Wertevermittlung gelegt und Soft Skills gezielt gefördert. Das Konzept wird kontinuierlich evaluiert und ist Teil des Modellprojekts „Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge“ der Stiftung Bildungspakt Bayern und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

Hochschule Magdeburg-Stendal, Sachsen-Anhalt

Mit ihrer Initiative „Integration von politischen Flüchtlingen mit akademischen Hintergründen bzw. Ambitionen“ ist die Hochschule Magdeburg-Stendal eine der ersten Hochschulen bundes- und europaweit, die ein nachhaltiges Konzept für geflüchtete Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung anbietet.

Studieninteressierte Geflüchtete durchlaufen ein mehrstufiges Programm: Nach Einzelgesprächen mit Eignungsinterviews werden ihre Qualifikationen überprüft. Sind Dokumente unvollständig und können nicht vorgelegt werden, wird eine Feststellungsprüfung durchgeführt. Ist diese Hürde genommen, stehen den Studieninteressierten unterschiedliche Integrationsangebote vom Buddy-Programm über Gasthörerschaft bis zur psychosozialen Begleitung und zur Summer School zur Studienvorbereitung und ein einjähriger studienvorbereitender Intensivsprachkurs mit dem Zielniveau C1 offen. Auch bei der späteren Bewerbung und beim Übergang ins Studium werden sie unterstützt.

Das Integrationskonzept ist Teil der Gesamtstrategie der Hochschule, wird wissenschaftlich begleitet und baut auf einem breiten regionalen und bundesweiten Kooperationsnetzwerk auf.

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