Deutscher Arbeitgeberpreis für Bildung 2018

Deutschland braucht ein Bildungssystem, das Weltklasse ist. Es muss qualitativ hochwertig sein, die individuelle Förderung in den Mittelpunkt stellen und jeder und jedem Einzelnen umfassende Kompetenzen für eine zunehmend digitale Welt vermitteln. Damit dies nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis gelingt, müssen auch unkonventionelle und neue Wege eingeschlagen werden, die Kreativität und Mut erfordern.

Mit dem Deutschen Arbeitgeberpreis für Bildung werden in diesem Jahr kooperative Bildungsideen / Initiativen / Konzepte der frühkindlichen, schulischen, beruflichen und hochschulischen Bildung ausgezeichnet, die erfolgreich zeigen, wie neues zukunftsfähiges Lernen gemeinsam funktioniert.

Gesucht wurden Projekte, die in Zusammenarbeit von klassischen Bildungsinstitutionen mit Partnern – von der Elterninitiative über weitere Bildungseinrichtungen, engagierte Privatpersonen bis hin zu Unternehmen – vorleben, dass Innovationen und Bildungserfolge gerade auch dann entstehen, wenn man neue, vielleicht auch ungewohnte Wege geht. Die Preisverleihung findet auch in diesem Jahr live auf der großen Bühne des Deutschen Arbeitgebertags statt.

Bildungshaus Lurup in Hamburg

Das Bildungshaus Lurup der Evangelischen Stiftung Alsterdorf verfolgt unter dem Motto „Mit allen an die Spitze“ ein ganzheitliches, inklusives und träger- und behördenübergreifendes Konzept. Das Bildungshaus ist in einem der sozial schwächsten Stadtviertel von Hamburg angesiedelt. Die Mehrheit (über 90%) der 500 Kinder im Alter von acht Monaten bis zur vierten Klasse der Grundschule hat einen Migrationshintergrund. Ihnen soll durch das niedrigschwellige und umfassende Bildungs- und Unterstützungsangebot eine bruchlose Bildungsbiografie ermöglicht werden.

Die Angebotspalette reicht dabei vom Eltern-Kind-Zentrum mit Sonntagsöffnung über das Frühstück für alle Kinder vor der Schule, die gemeinsame Sprachbildung mit Eltern, Kochen mit und für Senioren, bis zur Jugend-, Erziehungs- und Sozialberatung und zur Bildungs- und Mentorenprogrammen für Eltern – alles unter einem Dach und in Kooperation mit Therapieanbietern, Schulbegleitung, Jugendamt, Bibliotheken und Ehrenamtlichen.

Mit ihrem weit in die Lebenswelt der Kinder hineinreichenden Angebot leistet das Bildungshaus Lurup auch einen Beitrag zur inklusiven Entwicklung des gesamten Quartiers Lüdersring in Lurup.

Leonardo da Vinci Campus in Nauen, Brandenburg

Das Ganztagsgymnasium des Leonardo da Vinci Campus kombiniert mit einem innovativen Ansatz digitale und kulturelle Bildung.

In der Oberstufe erstellen Schülerinnen und Schüler im Bereich „Medien und Kommunikation“ für kulturelle Einrichtungen ein konkretes Medienprodukt. So haben sie bereits eine multimediale Ausstellung, Audioguides, eine App, eine Website und einen Comic entwickelt und produziert.

Ständiger Partner ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Kultureinrichtungen wechseln je nach Schwerpunkt. Die Produkte werden in allen Schritten gemeinsam mit fachlichen Partnern erarbeitet und umgesetzt, auch mit mehreren Hochschulen und unterschiedlichen Unternehmen aus der Region. Nicht nur die Schülerinnen und Schüler, auch die Lehrkräfte sind durch den Praxisbezug hoch motiviert. Die Ergebnisse werden öffentlich präsentiert und auch anderen Schulen bekannt gemacht. Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren die Ziele, die Umsetzung und ihre eigenen Lernfortschritte in einem Portfolio; am Ende erfolgen eine Benotung und eine Evaluation des Projekts. Die Schule ist durch eine hohe Kooperationskultur geprägt und hat für ihre hervorragende Berufs- und Studienorientierung das Berufswahl-SIEGEL erhalten. 

Diakonie Stiftung Salem in Minden, Nordrhein-Westfalen

Das Evangelische Fachseminar für Altenpflege der Diakonie Stiftung Salem hat in seinem Curriculum das „Training von Problemlösefähigkeiten in komplexen Situationen in der Pflege“ als durchgängiges Schwerpunktthema verankert. Angehende Pflegefachkräfte werden frühzeitig darauf vorbereitet, in der Praxis fachlich, rechtlich und ethisch verantwortbare Entscheidungen zu treffen. In verschiedenen Schulprojekten und unter Einsatz digitaler Medien werden Kompetenzen in Stressbewältigung, Teamarbeit, Beziehungsgestaltung mit pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen sowie Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Berufsgruppen vermittelt.

Als besonders innovativ sticht dabei das Projekt „Schüler leiten einen Wohnbereich“ hervor: Die Schülerinnen und Schüler leiten und betreuen für zwei Wochen eigenständig einen Wohnbereich einer stationären Pflegeeinrichtung, Fach- und Lehrkräfte sind nur im Hintergrund als Ansprechpartner dabei. Die Azubis übernehmen verschiedene Rollen, z. B. muss jede, bzw. jeder einmal die Leitung übernehmen. Der umfassende Ansatz des Fachseminars zeichnet sich zudem durch die regelmäßige Evaluierung und die hohe Übertragbarkeit aus. Außerdem werden die Herausforderungen in der Altenpflege und die hohe Wertigkeit dieses Berufs aufgezeigt.  

NwT-Bildungshaus der Hochschule Esslingen in Göppingen, Baden-Württemberg

Mit dem NwT-Bildungshaus will die Hochschule Esslingen gezielt Kindern und Jugendlichen Interesse und Spaß an Naturwissenschaft und Technik vermitteln – je früher, desto besser. Das Angebot des Bildungshauses umfasst frei buchbare Kurse für Kinder und Jugendliche, Programme für Kindergärten und Schulen, Studienangebote für Studierende und Weiterbildungsmöglichkeiten für Erziehende und Lehrkräfte.

Das Bildungshaus kooperiert hierfür mit rd. 20 Kindergärten und 40 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in der Region. Das Besondere: Die Kurse werden nicht nur von Lehrpersonen der Hochschule geleitet, sondern von den Studierenden selbst. Studierende aus der Ingenieurpädagogik für Berufsschulen oder aus dem Bereich Naturwissenschaft und Technik für Lehramt können sich hier in der Praxis erproben. Zugleich bringen sie Kindern und Jugendlichen altersgerecht und ohne hohe Hürden Technik näher.

Das Bildungshaus arbeitet mit mehreren Unternehmen der Region zusammen, bietet Firmenbesichtigungen an und bietet Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, die Arbeitswelt 4.0 kennenzulernen. Ein Kooperationsnetzwerk, von dem alle Seiten profitieren.

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